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Grimm ohne Glocken
von Manfred Franke
Ambivalenzen im politischen Denken und Handeln des Schriftstellers Hans Grimm März 2009 ISBN: 978-3-89498-192-1 ¤ 19,80 (¤ 1,30 MwSt.) 20,5 x 12,5 cm 245 g Lieferung weltweit Artikel ist lieferbar 200 S. m. Abb., br. |
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„Nationalsozialist außerhalb der Partei“ Heutzutage ist der Name des Schriftstellers Hans Grimm nur noch wenigen bekannt, „Volk ohne Raum“ dagegen noch vielen geläufig, als ein auch in den „Büchmann“ aufgenommenes Schlagwort, nicht als Titel des Buches, das 1356 Seiten umfasst und in mehreren Auflagen gedruckt wurde. Etwa eine Million Exemplare sollen verkauft worden sein. Kein Wunder, dass der Bekanntheitsgrad Grimms auf dieses Buch zurückgeht. Noch weniger erstaunlich, dass die Nationalsozialisten sich des schlagwortartigen Buchtitels bemächtigten, konnte er doch geopolitisch eingesetzt werden. „Volk ohne Raum“ wurde zur Devise für die spätere Eroberungspolitik Hitlers, vor allem in Polen und der UdSSR. Aus seinem antidemokratischen und antiliberalen Denken hat Grimm, der sich gegenüber Goebbels als „Nationalsozialist außerhalb der Partei“ bekannte, nie ein Hehl gemacht. Seit 1927 mit Goebbels freundschaftlich verbunden, wurde Grimm 1933 zum Senator der Preußischen Akademie der Künste ernannt und war zwischen 1933 und 1935 Präsidialrat der Reichsschrifttumskammer. „Volk ohne Raum“ hatte Grimm so bekannt gemacht, dass er schon 1928 zu einem von ihm angestrebten Gespräch bei Hitler vorgelassen wurde. Zu denen, die außerdem mit Grimm zusammenkamen, gehörten neben anderen der Politiker Alfred Hugenberg, der Journalist Paul Fechter, der Schriftsteller Arnolt Bronnen, aber auch der Diplomat Ulrich von Hassell, in späteren Jahren führendes Mitglied des Widerstands. Anhänger Grimms betonen gern diese andere Seite in seiner Biographie: Ab 1934 veranstaltete Grimm - ohne parteiliche Erlaubnis - die „Lippoldsberger Dichtertreffen“. Deren etwas „negative Tendenz“ und Briefe Grimms an Innenminister Frick über Wahlfälschungen führten zum Konflikt mit seinem einstigen Förderer Goebbels, der dem Schriftsteller gar mit KZ-Einweisung drohte. In dieser prekären Situation bekannte sich Grimm als „Nationalsozialist außerhalb der Partei“. Danach kühlte Grimms Begeisterung für den Nationalsozialismus etwas ab – ganz erloschen ist sie nie. Immerhin: Seine Position in Akademie und Reichsschrifttumskammer führten dazu, dass er oft um Hilfe und Rat gebeten wurde, die er bereitwillig gab, ohne dabei politische Rücksichten zu nehmen. Als Grimms ehemaliger militärischer Vorgesetzter Paul Landau seiner jüdischen Herkunft wegen die Existenzgrundlage zu verlieren drohte, versuchte Grimm ihm gemeinsam mit dem Balladendichter Börries von Münchhausen zu helfen, letztlich vergeblich. Andererseits hat Grimm kaum eine Gelegenheit ausgelassen, seine Distanz zu Juden und besonders zu jüdischen Kollegen zu betonen. Nach 1945 verstieg er sich sogar dazu, die Anzahl der ermordeten Juden schlichtweg in Abrede zu stellen. Grimm konnte für sich geltend machen, nie „Pg.“ gewesen zu sein. An Hitler freilich hielt er mit Einschränkungen fest. Im übrigen unterschied er einen angeblich ursprünglichen, sauberen Nationalsozialismus vom „Hitlerismus“. Und nach Kriegsende schlug er neonazistische Töne an. Wer also war Hans Grimm? Manfred Franke liefert in diesem Buch einen Beitrag zur Klärung des politischen Denkens dieses Schriftstellers. Er hat dazu den Nachlass Hans Grimm herangezogen, der im Deutschen Literaturarchiv in Marbach / Neckar (DLA) aufbewahrt wird. Franke wertet insbesondere Grimms Briefe aus, denn in ihnen hat sich Grimm oft unmittelbarer geäußert als in den von vornherein zur Publikation bestimmten Texten. Franke zitiert aus zahlreichen bisher unveröffentlichten Quellen und leistet nicht nur einen Beitrag zur politischen Biographie Hans Grimms, sondern gibt auch wesentliche Einblicke in das Beziehungsgeflecht völkisch-nationaler und nationalsozialistischer Intellektueller bis in die Anfänge der Bundesrepublik hinein – ein Kontinuum also weit über die NS-Zeit hinaus. |
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Zusätzliche Dateien:
- Ergänzende Informationen zum Buch von Manfred Franke |
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