Die erste Publikation zum Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln  

Die erste Publikation zum Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln

war das im Dezember 2009 erschienene Heft 56 der "Geschichte in Köln - Zeitschrift für Stadt und Regionalgeschichte". Die ausführliche und intensive Auseinandersetzung mit der Katastrophe in der Severinstr., die das Heft anstoßen wollte, tut offensichtlich bald ein Jahr danach immer noch not.
(Foto: Matthias Frankenstein, Landesarchiv NRW)




     

"Schlagschatten" auf das "braune Köln"

wirft ein neuer Sammelband, hg. von Jost Dülffer und Margit Szöllösi-Janze, der in diesem Frühjahr erscheinen wird: Er beleuchtet Widerstands- und andere Legenden zur NS-Zeit in Köln, zeichnet örtliche Strukturen von Medien und Herrschaft, Kultur und Erzeihung, Mechanismen der Ausgrenzung "Anderer" nach und beschreibt auch die Kölner NS-Eliten und ihre Rolle in der Nachkriegsgesellschaft.




Frisch aus der Werkstatt  

Frisch aus der Werkstatt

Péter Esterházys Lobrede auf Arnold Stadler eröffnet das März-Heft unserer Zeitschrift Sprache im technischen Zeitalter, in dessen Mittelpunkt dann die Beiträge der Berliner Autorenwerkstatt Prosa 2009 stehen. Monika Radls grandioser Kaprun-Text, Gedichte von Dionisis Karatzas und Pablo Ramos’ Gesetz der Grausamkeit kommen dazu. (Abb.: Péter Esterházy, Foto Tobias Bohm)





Die erste Publikation zum Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln

Herausgeber und Verlag der "Geschichte in Köln" waren sich früh darin einig, dass das diesjährige Heft 56 eine besondere Ausgabe werden musste. Am Nachmittag des 3. März 2009 erlebte Köln ein Unglück, das zwei Menschenleben forderte, einen Oberbürgermeister das Amt kostete, eine Kommunalwahl mitbestimmte, den U-Bahn-Bau um Jahre verzögern wird und nicht zuletzt "der Stadt ihr Gedächtnis nahm", wie so oft formuliert wurde, es zumindest jedoch nachhaltig schwer beschädigte. Den Einsturz des Historischen Archivs erlebten viele Kölner Bürger als tiefen Einschnitt in das kulturelle Bewusstsein der Stadt. Der Umgang mit der Verantwortung für das Unglück geriet zur bundesweiten Peinlichkeit für die Kommunalpolitiker. Derweil ist mit Hilfe von freiwilligen Helfern, anderen Archiven und Restauratoren viel getan worden, um möglichst viele Dokumente zu retten. Aber es wird viel Zeit und Geld brauchen, bis das Archiv wiederhergestellt ist.
Inzwischen haben sich Archivare und Historiker vom ersten Schock ein wenig erholt und es ist an der Zeit, zu überlegen, wie es weitergehen soll. Deshalb widmet Geschichte in Köln der Katastrophe in der Severinstraße einen eigenen Schwerpunkt. Acht Autoren diskutieren das Geschehene aus verschiedenen Blickwinkeln, versuchen erste Lehren zu ziehen und zu analysieren, wie es nach der Katastrophe um die Kölner Stadtgeschichte bestellt ist. Es sind zum Teil sehr persönlich gefärbte Beiträge, die von der Betroffenheit zeugen, die der Einsturz des größten kommunalen Archivs Europas hinterlassen hat. Mit Beiträgen u.a. von: Daniel Leupold, Wolfgang Ernst, Andreas Rutz, Toni Diederich, Ulrich S. Soénius, James Brophy, Frank Möller, Klaus Militzer.
Geschichte in Köln 56 (2009)
Zeitschrift für Stadt- und Regionalgeschichte, hrsg. von Thomas Deres, Martin Kröger, Georg Mölich, Joachim Oepen, Wolfgang Rosen, Lars Wirtler und Stefan Wunsch in Verbindung mit den Freunden des Kölnischen Stadtmuseums e.V. 413 S. m. Abb., kt., ¤ 22,00 ISBN: 978-3-89498-255-3



"Schlagschatten" auf das "braune Köln"

Aus dem Inhalt: Jost Dülffer, Margit Szöllösi-Janze: Zur Einführung; Horst Matzerath, Öffentliche Mobilisierung in Köln. Nationalsozialistische Propaganda als Herrschaftsinstrument; Verena Kücking, Feind hört mit! Das „Abhören ausländischer Sender“ als Delikt vor dem Kölner Sondergericht; Britta Scherer, Ein Kunstmuseum in der NS-Zeit - Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln; Markus Bongardt, NS-Erziehung und Krieg. Die Oberschule Kreuzgasse, das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und das Dreikönigsgymnasium, 1939-1945; Carl Dietmar, Die „Narrenrevolte“ - Eine Widerstandslegende: der Kölner Karneval und die Nazis; Thomas Roth, „Volksschädlinge“. Zur Konstruktion und Verfolgung von „Plünderungen“ durch die nationalsozialistische Justiz in Köln; Heike Zbick, „Euthanasie“-Verbrechen im Zweiten Weltkrieg in Köln im Rahmen der T4-Aktion; Irene Franken, Varianten des Rassismus — Zwangssterilisierte, Jüdinnen und Zwangsarbeiterinnen als Patientinnen der Kölner Universitäts-Frauenklinik 1934 bis 1945; Philipp Erbslöh, Luftangriffe auf Köln. Vorbereitung und Bewältigung der Folgen in der Stadt; Barbara Manthe, Tod im Bombenkrieg. Ziviles Sterben im Zweiten Weltkrieg und die Berichterstattung in Kölner Zeitungen; Swantje Sieber, Die Erinnerung an den Bombenkrieg in Köln; Saskia van Dijk, „Entnazifizierungsklüngel“- die Personalpolitik an der Universität zu Köln in der Nachkriegszeit; Ulrich S. Soénius, Ein Unternehmer im NS-Staat und der Versuch einer Rehabilitierung; Fritz Lehmann; Birte Klarzyk, Vom NSDAP-Gauleiter zum bundesdeutschen Biedermann: der Fall Josef Grohé.

Schlagschatten auf das braune Köln. Köln im Nationalsozialismus und danach. Hg. von Jost Dülffer und Margit Szöllösi-Janze (Veröffentlichungen des Kölnischen Geschichtsvereins, Bd. 49), 2010, ca. 320 S., geb., ¤ 39,80 ISBN 978-3-89848-202-7
Erscheint im April 2010



Frisch aus der Werkstatt

Seit ihrem Start 1997 hat sich die Berliner Autorenwerkstatt zum Sprungbrett in das Autorenleben entwickelt. Stellvertretend für viele andere seien hier Judith Hermann, Thomas von Steinaecker, Inka Parei, Sherko Fatah und Gunter Geltinger genannt. Diesmal stellen wir die die Teilnehmer des Jahrgangs 2009 in Text und Bild vor: Kristine Bilkau, Hannes Köhler, Emanuel Maeß,  Inger-Maria Mahlke, Anne Richter, Kristina Schilke, Sina Tahayori und Andreas Martin Widmann.
Außerdem: Die Dankesrede von Arnold Stadler zur Verleihung des Kleist-Preises und die Laudatio von Péter Esterházy, der im letzten Jahr als alleiniger Kurator den Kleist-Preisträger bestimmen konnte. Wir dokumentieren Nico Bleutges Lobrede auf den Text „Kaprun“, für den Monika Radl mit dem Walter-Serner-Preis ausgezeichnet wurde. Auch den siegreichen Text stellen wir hier vor. In „Auf Tritt Die Poesie“ präsentiert Volker Sielaff den neugriechischen Dichter Dionisis Karatzas. Und in unserer Kolumne „Zu Gast in Berlin“ führt Patricia Klobusiczky in das Werk des Argentiniers Pablo Ramos ein.<br>

Sprache im technischen Zeitalter 193, März 2010. 138 S. mit Abbildungen, kartoniert, ¤ 14,–